Veröffentlicht am April 11, 2024

Der digitale Wandel in der Schweizer Berufslehre ist keine Frage der Technologie, sondern eine der intelligenten Zusammenarbeit.

  • Erfolgreiche Digitalisierung nutzt Lernende als „Digitalisierungsmotoren“ in Ihrem Betrieb.
  • Der Schlüssel liegt in der Kombination der Praxiserfahrung älterer Mitarbeiter mit der digitalen Intuition der Jungen (Reverse-Mentoring).

Empfehlung: Führen Sie „Kompetenz-Tandems“ ein, in denen erfahrene Mitarbeitende und Lernende gemeinsam Prozesse digitalisieren, um einen direkten Mehrwert für Ihr KMU zu schaffen.

Als Berufsbildner in einem Schweizer KMU spüren Sie den Druck täglich: Die Digitalisierung verändert Märkte, Prozesse und die Erwartungen Ihrer Kunden. Viele raten Ihnen, in neue Software zu investieren oder Ihre Lernenden auf teure Kurse zu schicken. Doch oft führen diese Massnahmen zu mehr Frustration als Fortschritt. Die neue Software wird von langjährigen Mitarbeitenden kaum genutzt und die „Digital Natives“ kehren von Schulungen zurück, deren Inhalte im betrieblichen Alltag kaum anwendbar sind. Das Resultat ist ein Gefühl der Stagnation, während die Komplexität weiter zunimmt.

Aber was wäre, wenn die eigentliche Lösung nicht in externen Tools, sondern bereits in Ihrem Team verborgen liegt? Wenn die wahre Triebfeder des Wandels nicht die Technologie selbst ist, sondern die strategische Verbindung der Kompetenzen zwischen den Generationen? Dieser Leitfaden bricht mit der gängigen Annahme, dass Digitalisierung ein reines Technologiethema ist. Wir stellen einen zukunftsweisenden Ansatz in den Mittelpunkt: die Generationen-Brücke. Sie lernen, wie Sie die unschätzbare Praxiserfahrung Ihrer etablierten Fachkräfte mit der digitalen Intuition Ihrer Lernenden zu einem unschlagbaren Wettbewerbsvorteil für Ihr Unternehmen verschmelzen.

Anstatt die Generationen als Problem zu sehen, positionieren wir sie als Lösung. Wir zeigen Ihnen konkrete, praxiserprobte Methoden, wie Sie die Berufslehre als Motor für Ihre betriebliche Digitalisierung nutzen. Von der Baustelle bis ins Büro, von der Kommunikation bis zur strategischen Personalplanung – Sie erhalten Einblicke, wie Sie die Stärken beider Welten vereinen und so Ihr KMU nachhaltig zukunftsfähig machen.

Dieser Artikel führt Sie durch die zentralen Handlungsfelder, um die digitale Transformation in Ihrer Berufsbildungspraxis erfolgreich zu gestalten. Der folgende Sommaire gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir gemeinsam vertiefen werden.

Warum ist das Tablet auf der Baustelle heute so wichtig wie der Hammer?

Die Vorstellung, dass auf einer Schweizer Baustelle nur mit Hammer und Kelle gearbeitet wird, ist überholt. Heute ist das Tablet ein ebenso unverzichtbares Werkzeug, das die Brücke zwischen traditionellem Handwerk und digitaler Effizienz schlägt. Es geht nicht darum, die bewährte Praxis-Intelligenz eines erfahrenen Maurers oder Zimmermanns zu ersetzen, sondern sie zu erweitern und zu dokumentieren. Das Tablet wird zur digitalen Schaltzentrale direkt vor Ort.

Konkret ermöglicht es den direkten Zugriff auf digitale Baupläne (BIM-Modelle), was Fehler durch veraltete Papierpläne vermeidet und eine präzisere Umsetzung nach SIA-Normen sicherstellt. Mängelrapporte können mit Fotos direkt in der App erfasst und dem Projektleiter in Echtzeit übermittelt werden, anstatt sie abends mühsam im Büro abzutippen. Dies beschleunigt nicht nur die Abläufe, sondern schafft auch eine lückenlose, rechtssichere Dokumentation. Lernende können zudem über das Tablet auf Video-Tutorials für spezifische Techniken zugreifen oder digitale Checklisten für die Arbeitssicherheit durchgehen.

Für Berufsbildner ist das Tablet ein mächtiges Ausbildungsinstrument. Es erlaubt, die Arbeit des Lernenden digital zu begleiten, Feedback direkt am Modell zu geben und die Verbindung zwischen Theorie aus der Berufsfachschule und der Praxis auf der Baustelle herzustellen. Der Hammer baut die Wand, aber das Tablet stellt sicher, dass die richtige Wand am richtigen Ort und in der richtigen Qualität gebaut wird – und dass der ganze Prozess für alle Beteiligten transparent und effizient ist.

Letztlich steigert der Einsatz digitaler Werkzeuge nicht nur die Produktivität, sondern auch die Attraktivität der Bauberufe für die nächste Generation, die eine digitale Arbeitsweise als selbstverständlich erachtet.

Wie integrieren Sie Blended Learning in den Ausbildungsplan Ihres KMU?

Blended Learning, die intelligente Verknüpfung von digitalem und präsentischem Lernen, ist für Schweizer KMU kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit, um die Ausbildung effizienter und attraktiver zu gestalten. Es geht nicht darum, den Berufsbildner zu ersetzen, sondern ihn zu entlasten und zu stärken. Anstatt Grundlagen immer wieder neu zu erklären, können diese über E-Learning-Module vermittelt werden. Die wertvolle Zeit im Betrieb wird dann für die Vertiefung, die Anwendung und die Lösung komplexer Probleme genutzt – dort, wo die Erfahrung des Ausbilders unersetzlich ist.

Die erfolgreiche Integration von Blended Learning erfordert einen strukturierten Ansatz. Es beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Welche digitalen Mittel und Kompetenzen sind bereits vorhanden? Oft ist mehr da, als man denkt. Der entscheidende Schritt ist, die Lernenden aktiv einzubinden. Anstatt sie nur zu Konsumenten von Lerninhalten zu machen, werden sie zu Produzenten. Ein Lernender im dritten Lehrjahr könnte beispielsweise ein kurzes Video-Tutorial für eine Maschine erstellen, das dann den neuen Lernenden im ersten Jahr zur Verfügung steht. Dieses Lernenden-Tandem-Modell fördert nicht nur die digitalen Fähigkeiten, sondern auch das Verantwortungsbewusstsein und die didaktischen Kompetenzen.

Lernende und Ausbilder arbeiten gemeinsam mit digitalen und analogen Lernmitteln

Wie die Abbildung zeigt, entsteht so eine dynamische Lernkultur, in der digitale und analoge Werkzeuge Hand in Hand gehen. Die Synchronisation mit den Berufsfachschulen über gemeinsame Plattformen ist dabei ebenso wichtig wie die gezielte Weiterbildung der Berufsbildner selbst, beispielsweise über Angebote des Eidgenössischen Hochschulinstituts für Berufsbildung (EHB).

Ihr Aktionsplan: 5 Schritte zur erfolgreichen Blended Learning Integration

  1. Bestandsaufnahme: Führen Sie eine Analyse der vorhandenen digitalen Infrastruktur und der Kompetenzen von Lernenden und Mitarbeitenden in Ihrem Betrieb durch.
  2. Lernenden-Tandem-Modell: Führen Sie ein Modell ein, bei dem fortgeschrittene Lernende Video-Tutorials oder digitale Anleitungen als Teil ihrer Ausbildung für jüngere Lernende erstellen.
  3. Synchronisation: Etablieren Sie eine Abstimmung mit den kantonalen Berufsfachschulen, idealerweise über gemeinsame Lernplattformen wie Moodle, um Inhalte abzugleichen.
  4. Weiterbildung: Richten Sie ein jährliches „Berufsbildner-Digitalbudget“ für gezielte Weiterbildungen, zum Beispiel beim EHB, ein, um die Ausbilder fit für neue Lehrmethoden zu machen.
  5. Tool-Evaluation: Evaluieren Sie branchenspezifische Lern-Apps und integrieren Sie die nützlichsten Werkzeuge systematisch in den Ausbildungsalltag Ihrer Lernenden.

Durch die schrittweise Einführung dieser Elemente verwandeln Sie Ihren Ausbildungsplan von einer statischen Vorgabe in ein lebendiges, anpassungsfähiges System, das den Anforderungen der modernen Arbeitswelt gerecht wird.

Berufsmatura oder Gymnasium: Welcher Weg bietet heute bessere Karrierechancen in der IT?

Die Frage, ob die Berufslehre mit Berufsmaturität (BM) und Fachhochschule (FH) oder der gymnasiale Weg mit Universitäts- oder ETH-Abschluss der bessere Pfad in die Schweizer IT-Branche ist, beschäftigt viele Eltern und Jugendliche. Die Antwort ist nicht schwarz-weiss, sondern hängt stark von der angestrebten Rolle ab. Lange galt der universitäre Weg als Königsweg, doch die Praxis in der schnelllebigen Tech-Welt zeichnet ein differenzierteres Bild. Der immense Vorteil des dualen Bildungswegs ist die frühzeitige und tiefgreifende Praxiserfahrung.

Ein Informatik-Lernender mit EFZ und BM bringt nach seinem FH-Abschluss nicht nur theoretisches Wissen, sondern bereits vier Jahre Berufserfahrung mit. Er hat in realen Projekten gearbeitet, Kundenanforderungen verstanden und im Team kommuniziert. Das ist ein unschätzbarer Vorteil gegenüber einem Universitätsabsolventen, dessen Praxiserfahrung sich oft auf wenige Monate Praktikum beschränkt. Dies bestätigt auch die Perspektive aus der Wirtschaft. So betonte kürzlich ein Branchenkenner:

In der Praxis bevorzugen wir oft Absolventen mit Berufslehre und Fachhochschulabschluss für bestimmte technische Positionen, da sie bereits produktive Arbeitserfahrung mitbringen.

– CTO eines Schweizer Crypto Valley Unternehmens, Interview im Rahmen der Digitalisierungsstudie 2024

Die folgende Tabelle, basierend auf Daten des Bundesamtes für Statistik, fasst die wesentlichen Unterschiede zusammen und zeigt, dass beide Wege zu attraktiven Karrieren führen, aber unterschiedliche Stärken haben.

Vergleich der Bildungswege zur IT-Karriere in der Schweiz
Kriterium Berufsmatura + FH Gymnasium + Uni/ETH
Berufseinstieg 4 Jahre früher mit Praxiserfahrung Später, aber mit theoretischer Tiefe
Einstiegsgehalt CHF 75’000-85’000 CHF 80’000-95’000
Praxiserfahrung beim Abschluss 4 Jahre Berufserfahrung Praktika während Studium
Durchlässigkeit Passerelle zu Uni/ETH möglich Direkter Master/PhD-Zugang
Bevorzugt von Tech-Unternehmen Für operative Rollen Für Forschung & Entwicklung

Für Berufsbildner bedeutet dies: Die Lehre ist kein Karriere-Nachteil, sondern ein strategischer Vorteil. Es gilt, diesen Vorteil selbstbewusst zu kommunizieren und den Lernenden die hervorragenden Weiterentwicklungsmöglichkeiten bis hin zur Fachhochschule aufzuzeigen.

Der Kommunikationsfehler, der dazu führt, dass Lehrlinge die Lehre abbrechen

Lehrvertragsauflösungen sind für alle Beteiligten schmerzhaft und für KMU ein erheblicher Verlust an Zeit und Investition. Während oft fachliche Mängel als Grund vermutet werden, liegt die wahre Ursache häufig in einem fundamentalen Missverständnis in der Kommunikation. Der grösste Fehler ist die Annahme, dass alle im Betrieb die gleichen ungeschriebenen Regeln für Kommunikation kennen und anwenden. Dies führt zu einer Kollision der Kommunikationskulturen zwischen „Digital Natives“ (den Lernenden) und „Digital Immigrants“ (vielen erfahrenen Mitarbeitenden).

Ein typisches Szenario: Der Lernende erhält per E-Mail eine Arbeitsanweisung. Da er auf WhatsApp oder Instagram sofortige Reaktionen gewohnt ist, aber keine prompte Rückmeldung auf seine kurze Bestätigungs-Mail erhält, ist er verunsichert. Umgekehrt erwartet der Berufsbildner eine formellere, detailliertere Antwort und ist irritiert über eine knappe „Ok“-Nachricht per Teams. Diese kleinen, täglichen Reibungsverluste summieren sich zu Frustration, dem Gefühl, nicht verstanden zu werden, und im schlimmsten Fall zur inneren Kündigung des Lernenden.

Die Lösung liegt nicht darin, eine Generation zu „erziehen“, sondern darin, explizite Regeln zu schaffen. Eine „Intergenerationelle Kommunikations-Charta“ kann hier Wunder wirken. Sie schafft Klarheit und Verbindlichkeit für alle. Wichtige Punkte einer solchen Charta sind:

  • Kanäle definieren: Welcher Kanal wird für welchen Zweck genutzt? (z.B. E-Mail für offizielle Anweisungen, Teams/Slack für schnelle Absprachen, WhatsApp ausschliesslich für Notfälle).
  • Antwortzeiten festlegen: Welche Reaktionszeit ist angemessen? (z.B. innerhalb von 24 Stunden bei E-Mails, innerhalb von 2 Stunden bei Chat-Nachrichten während der Arbeitszeit).
  • Feedback-Kultur etablieren: Wie wird Feedback gegeben – insbesondere digital? (z.B. immer konstruktiv, mit konkreten Beispielen und lösungsorientiert).
  • Face-to-Face verankern: Trotz aller digitaler Tools sind wöchentliche, kurze persönliche Gespräche unverzichtbar, um die Beziehungsebene zu pflegen.

Indem Sie die Spielregeln der Kommunikation transparent machen, bauen Sie eine Brücke zwischen den Generationen, reduzieren Konfliktpotenzial und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Lernenden ihre Ausbildung erfolgreich und motiviert bei Ihnen abschliessen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine höhere Fachschule (HF) nach dem EFZ?

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses (EFZ) stellt sich für viele junge Berufsleute die Frage nach dem nächsten Karriereschritt. Der Weg über eine Höhere Fachschule (HF) ist eine äusserst attraktive Option, da sie die im Betrieb erlernte Praxis mit vertieftem theoretischem Wissen anreichert und zu Kaderpositionen qualifiziert. Doch die Frage nach dem „Wann“ ist entscheidend für den Erfolg. Ein zu früher Start kann dazu führen, dass der Praxisbezug fehlt, ein zu später birgt die Gefahr, den Anschluss zu verlieren.

Eine wertvolle Orientierung bietet hier die sogenannte „5000-Stunden-Regel“, eine Empfehlung, die sich in Branchen wie der MEM-Industrie bewährt hat. Die Idee ist, nach dem Lehrabschluss zuerst für etwa drei Jahre, was ungefähr 5000 Arbeitsstunden entspricht, solide Berufserfahrung zu sammeln. Wie eine Studie von Swissmem zeigt, ermöglicht diese Phase den Absolventen, ihre praktischen Fähigkeiten zu festigen, verschiedene Bereiche im Unternehmen kennenzulernen und – was am wichtigsten ist – den eigenen Weiterbildungsbedarf gezielt zu identifizieren. Man weiss dann genau, in welchem Bereich man sich spezialisieren möchte. Diese Beobachtung wird durch den Schweizer Bildungsbericht gestützt, der aufzeigt, dass 35% der Absolventen innerhalb von fünf Jahren nach der Grundbildung eine Weiterbildung beginnen.

Symbolische Darstellung des Übergangs von ausführender zu steuernder Rolle durch HF-Weiterbildung

Der Übergang zur HF markiert, wie symbolisch dargestellt, oft den Wechsel von einer rein ausführenden zu einer planenden und steuernden Rolle. Als Berufsbildner ist es Ihre Aufgabe, Ihre Lernenden auf diesen Weg vorzubereiten. Führen Sie Standortgespräche, auch nach der Lehre, und ermutigen Sie sie, zuerst Praxiserfahrung als wertvolles Kapital zu sammeln. Zeigen Sie ihnen auf, dass die HF keine Flucht aus der Praxis ist, sondern deren logische und wertsteigernde Fortsetzung.

Ein Absolvent, der mit drei Jahren Berufserfahrung und klaren Zielen in eine HF-Weiterbildung startet, wird nicht nur für sich selbst, sondern auch für Ihr Unternehmen den grösstmöglichen Nutzen daraus ziehen.

Wie überzeugen Sie langjährige Mitarbeiter von neuen digitalen Prozessen ohne Widerstand?

Die Einführung neuer digitaler Prozesse in einem KMU scheitert selten an der Technologie, sondern oft am Widerstand erfahrener Mitarbeiter. Diesen Widerstand als blosse „Angst vor Neuem“ abzutun, ist der grösste Fehler. Dahinter steckt oft die berechtigte Sorge, dass ihre über Jahrzehnte aufgebaute Praxis-Intelligenz entwertet wird. Ein erfahrener Buchhalter, der seine Prozesse im Schlaf beherrscht, fühlt sich durch eine neue Software nicht entlastet, sondern entmachtet. Hier liegt der Schlüssel zur Überzeugung: Wertschätzung und Einbindung.

Der wirksamste Ansatz ist die Schaffung einer Generationen-Brücke durch eine Methode, die als Reverse-Mentoring bekannt ist. Statt einer Top-Down-Anordnung wird ein „Kompetenz-Tandem“ gebildet: Ein langjähriger Mitarbeiter wird mit einem digital-affinen Lernenden zusammengebracht. Der Clou liegt in der Rollenverteilung. Der erfahrene Mitarbeiter ist der „Prozess-Pate“: Er definiert das Geschäftsziel (z.B. „Ich möchte den Monatsabschluss um zwei Tage beschleunigen“). Der Lernende ist der „Technik-Pate“: Er sucht den digitalen Lösungsweg innerhalb der neuen Software, um genau dieses Ziel zu erreichen.

Fallbeispiel: Reverse-Mentoring in der Praxis

Ein wegweisender Ansatz, der die Stärken der Schweizer Berufsbildung nutzt, ist das Reverse-Mentoring. Wie eine Analyse im Global Skills Report 2024 unterstreicht, verfügt die Schweiz über ausserordentlich qualifizierte Lernende. Bei diesem Modell schulen Lernende erfahrene Mitarbeiter in digitalen Tools. Der erfahrene Mitarbeiter definiert das Geschäftsziel, der Lernende zeigt den digitalen Lösungsweg. Diese Methode wertschätzt die Expertise beider Generationen. Der Ältere bringt das „Was“ und „Warum“ ein, der Jüngere das „Wie“. Diese gegenseitige Anerkennung ist der stärkste Motor für die Akzeptanz neuer Prozesse und baut effektiv Widerstände ab.

Diese Methode verwandelt Widerstand in Neugier. Der erfahrene Mitarbeiter fühlt sich und sein Wissen wertgeschätzt, während der Lernende Verantwortung übernehmen und seine Fähigkeiten in einem realen Kontext anwenden kann. Es ist keine Schulung, sondern eine gemeinsame Problemlösung auf Augenhöhe.

So wird die Digitalisierung nicht zu einer Bedrohung, sondern zu einem gemeinsamen Projekt, das die Kompetenzen aller im Unternehmen stärkt und sichtbar macht.

Wie finden Sie einen CEO mit Business-Erfahrung für Ihr Deep-Tech-Projekt?

Bei der Suche nach einem CEO für ein Schweizer Deep-Tech-Unternehmen konzentrieren sich viele auf akademische Exzellenz und internationale Managementerfahrung. Das ist wichtig, aber für den nachhaltigen Erfolg in der Schweiz wird ein entscheidender Faktor oft übersehen: das strategische Verständnis für das duale Bildungssystem. Ein CEO, der die Berufslehre nur als Rekrutierungskanal für Junior-Positionen sieht, verpasst die grösste strategische Ressource des Landes: die interne Entwicklung von hochqualifizierten Fachexperten.

Ein visionärer CEO für ein Schweizer Technologieunternehmen muss erkennen, dass die Berufslehre die kosteneffizienteste und loyalste Talent-Pipeline ist, die es gibt. Anstatt teuer am Markt nach Spezialisten zu suchen, kann er sie über die Lehre und anschliessende Weiterbildungen (HF/FH) exakt nach den Bedürfnissen des Unternehmens aufbauen. Daher müssen Sie im Rekrutierungsprozess gezielt nach Kandidaten suchen, die diese „schweizerische“ Kompetenz mitbringen. Ein Experte für die Besetzung von Tech-Führungspositionen formuliert es treffend:

Eine Schlüsselfrage im Bewerbungsgespräch für CEO-Positionen in der Schweiz muss heute lauten: Wie planen Sie, die Berufslehre strategisch zu nutzen, um unsere zukünftigen Fachexperten intern aufzubauen?

– Experte für Executive Search im Schweizer Tech-Sektor, Fachbeitrag zur Talentakquise 2024

Achten Sie auf Kandidaten, die bereits Berührungspunkte mit dem Bildungssystem hatten. Hat der Kandidat als Dozent an einer Fachhochschule unterrichtet? War er im Beirat eines Bildungsinstituts? Hat er in früheren Positionen erfolgreich Lehrlingsprogramme skaliert? Dies sind Indikatoren für ein tiefes Verständnis der Verzahnung von akademischer und praktischer Exzellenz – dem Fundament des Schweizer Erfolgsmodells. Fordern Sie im Gespräch ein klares Konzept, wie der Kandidat die Ausbildung in die langfristige Unternehmens- und Personalstrategie integrieren will.

Ein CEO, der die Berufslehre nicht nur als soziale Verantwortung, sondern als strategisches Investment begreift, wird Ihr Deep-Tech-Unternehmen in der Schweiz zu nachhaltigem Wachstum führen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Digitalisierung der Lehre ist primär eine kulturelle Aufgabe, die auf der Zusammenarbeit zwischen den Generationen basiert, nicht nur auf Technologie.
  • Lernende sollten nicht nur ausgebildet, sondern als aktive „Digitalisierungsmotoren“ eingesetzt werden, um Prozesse im Betrieb zu modernisieren (z.B. durch Reverse-Mentoring).
  • Das duale Bildungssystem bietet mit seinen Weiterentwicklungsmöglichkeiten (HF/FH) einen entscheidenden, praxisorientierten Karrierevorteil gegenüber rein akademischen Wegen.

Welche Automatisierungstools Schweizer KMU jetzt nutzen müssen, um den Franken-Schock abzufedern?

Der starke Franken setzt die Margen von Schweizer KMU konstant unter Druck. Effizienzsteigerung durch Automatisierung ist daher kein Trend, sondern eine Überlebensstrategie. Doch die Frage ist nicht nur, *welche* Tools man einsetzt, sondern *wie* man sie implementiert. Der zukunftsweisende Ansatz verbindet die Notwendigkeit der Automatisierung direkt mit der Ausbildung der nächsten Generation. Anstatt externe Berater zu engagieren, werden Automatisierungsprojekte zu Lehrlingsprojekten.

Diese Strategie bietet einen doppelten ROI: Erstens wird ein realer, repetitiver Prozess im Unternehmen (z.B. die manuelle Übertragung von Bestelldaten) tatsächlich automatisiert, was sofort Kosten senkt. Zweitens erlernen KV- oder Informatik-Lernende dabei zukunftsentscheidende Fähigkeiten in Prozessanalyse und im Umgang mit No-Code- oder Low-Code-Plattformen. Sie wenden ihr schulisches Wissen direkt an, um einen messbaren Mehrwert für den Betrieb zu schaffen. Ein Maschinenbau-KMU aus dem Kanton Zürich konnte so beispielsweise seine Kostenbasis um 15 % senken, indem Lernende die Automatisierung der Spesenabrechnung übernahmen.

Bei der Wahl der Tools sollten Schweizer KMU auf datenschutzkonforme und integrierbare Lösungen setzen. Der Fokus sollte auf Anbietern liegen, die den hiesigen Markt verstehen und deren Datenhaltung in der Schweiz erfolgt. Die folgende, von Digital Switzerland empfohlene Übersicht, zeigt bewährte Kategorien und Anbieter:

Schweizer Automatisierungstools für KMU – Datenschutzkonform
Tool-Kategorie Schweizer Anbieter Vorteile für KMU DSGVO/nDSG-Konformität
ERP-System Abacus Vollintegrierte Schweizer Lösung 100% konform
CRM bexio KMU-optimiert, einfache Bedienung Schweizer Datenhaltung
Dokumentenmanagement SwissSign Elektronische Signatur & Archivierung Zertifiziert nach ZertES
Workflow-Automation Schweizer Zapier-Alternative No-Code-Lösung für Prozessautomatisierung DSGVO-konform

Um dem Kostendruck standzuhalten, ist es entscheidend zu wissen, welche Automatisierungstools Ihrem KMU jetzt helfen.

Indem Sie die Automatisierung als Ausbildungschance begreifen, investieren Sie nicht nur in die Effizienz von heute, sondern vor allem in die Kompetenz und die Problemlöser von morgen. Dies ist der nachhaltigste Weg, um den Herausforderungen des Wirtschaftsstandorts Schweiz zu begegnen.

Geschrieben von Thomas Zbinden, Eidg. dipl. Leiter Human Resources und Organisationsentwickler. Experte für Berufsbildung, Rekrutierung und interkulturelles Management in Schweizer Unternehmen.